Pimp a KEF Q350 – oder: Gutes noch besser machen… 15


Wie man aus einem ordentlichen Fertiglautsprecher – in diesem Fall der Kompaktlautsprecher KEF Q350 – mit überschaubarem Aufwand deutlich mehr herausholen kann, wird hier nach und nach dokumentiert. Auf die Idee kam ich ursprünglich durch Rainer („ton-feile“) aus dem HiFi-Forum, der dort bereits vor Jahren die KEF LS50 mit neuer Weiche versehen hat (Link)

Ausgangslage

Daten & Fakten zum Fertiglautsprecher

  • 2-Wege Kompaktlautsprecher mit Koaxialchassis
  • Gehäuse
    • Maße: 35,8 cm (H) x 21,0cm (B) x 30,6 cm (T)
    • Material: 15mm MDF (Front 35mm)
    • Volumen: ca. 15 Liter (innen)
    • Prinzip: Bassreflex
  • Chassis
    • KEF SP1709 Uni-Q Koaxialchassis (4 Ohm)
      • 165 mm Uni-Q (Aluminium-Membran)
      • 25mm Hochtöner (Aluminium-Kalotte)
  • Passive Weiche (1. Ordnung) mit ca. 2.500 Hz Trennfrequenz (akustisch)
  • Kosten: 280,- EUR / Stück
  • Frequenzgang (+/-3dB laut Hersteller): 63 Hz bis 28.000 Hz
  • Wirkungsgrad (laut Hersteller): 87db (2,83V / 1m)

Der Kompaktlautsprecher KEF Q350 ist mit einem hervorragendem Koaxialchassis ausgestattet, dem das Gehäuse und die Weichenabstimmung in der Originalversion leider nicht 100% gerecht werden. Das Gehäuse ist quasi leer und nur mit zwei winzig kleinen Stücken Dämmvlies gefüllt, was zu unerwünschten Resonanzen im Gehäuse führt, die den Mitteltonbereich recht wellig machen. Die Weiche besteht aus nur aus 3 Bauteilen: der Tief-/Mitteltöner wird durch eine Serienspule beschaltet, dem Hochtöner wurde ein Kondensator und ein Widerstand (auch jeweils in Serie) spendiert.

Messungen im Originalzustand

KEF Q350 Originalweiche (0-90°, 50cm, 5ms) KEF Q350 Originalweiche (Nahfeld)

Man kann bei den Messungen der „ex-factory“ Version einige Unzulänglichkeiten erkennen. Der Schlenker um 600 Hz ist auf das fehlende Dämmmaterial zurückzuführen, während der Einbruch um 1.000 Hz dem Chassis anzulasten ist (evtl. eine Sickenresonanz?).  Auch das Rundstrahlverhalten ist – bedingt durch die spartanische 6dB Weiche – nicht ganz optimal. Immerhin scheint die Abstimmung des Bassreflexrohres sinnvoll gewählt.

Die Einzelmessungen der Chassis im Gehäuse zeigen aber wie gut das Koaxialchassis von KEF wirklich ist, v.a. in Sachen Rundstrahlverhalten – das sieht sehr vielversprechend aus!

 

 

Originalweiche

Simulation der Originalweiche auf Basis der Einzelmessungen:

 

Verbesserungsmaßnahmen

Frequenzweiche

Die Weichenabstimmung hat Optimierungspotenzial. Wie weiter oben aufgezeigt hat die Originalweiche Schwächen aufgrund des großen Überlappungsbereichs von TMT und HT (ca. 800 Hz bis fast 10.000 Hz!) und der in meinen Ohren zu warmen Abstimmung. Hier die Simulation (m)einer etwas aufwendigeren Weiche, die in den Punkten Neutralität, Abstrahlverhalten und Phasenlage eine Verbesserung gegenüber der Originalversion darstellen sollte:

Ich werde diese Version demnächst aufbauen und im Vergleich zum Original hören und dann über die Veröffentlichung oder weitere Tuning-Maßnahmen entscheiden 🙂

 

Gehäusedämmung

Spendiert man dem Gehäuse eine Packung Sonofil (= 2 Matten), misst sich der Tief-/Mitteltöner etwas zahmer (vgl. nachfolgende Nahfeld-Messung im Vergleich zur obigen im Originalzustand), der Schlenker um 600 Hz verschwindet fast vollständig. Man könnte auch über eine zusätzliche Dämmung v.a. der Seitenwände nachdenken (z.B. durch  Bitumenmatten), ich habe auf diese Maßnahme zunächst verzichtet.

KEF Q350: Nahfeldmessung BR & TMT (ohne Weiche, mit 2 Matten Sonofil im Gehäuse)


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15 Gedanken zu “Pimp a KEF Q350 – oder: Gutes noch besser machen…

  • titoli

    Hi Alex,
    ich weiß nicht, ob Du Dich noch mit der Q350 beschäftigst, aber ich habe gerade ein Projekt in der Mache und möchte Dich um Deine Meinung bitten. Aktuell habe ich die KEF KHT 6001 (5x) im Wohnzimmer hängen und so gut sie mir auch optisch gefallen (und meiner Frau), sind sie klanglich sehr schnell am Limit. Auch die Unterstützung durch zwei große Subs hilft da nicht weiter.
    Da ich ein großer Freund von Koax Treibern bin und die von KEF als Ersatzteil nicht für normal Sterbliche zu bekommen sind, will ich die Q350 kaufen und zerlegen. Ziel soll es sein sie in geschlossene möglichst flache Gehäuse zu stecken. Es reicht wenn sie die 100Hz noch mit etwa -3db schaffen. Hältst Du das für machbar? Kennst Du die Bauhöhe des KEF Treibers? Wirst Du noch eine optimierte Weiche für die Q350 veröffentlichen?
    Bin für jede Anregung dankbar……….
    Gruß
    Oliver

    • HiFi Alex Autor des Beitrags

      Hallo Oliver!
      Die KEF SP1709 (Q350 Chassis) haben eine Einbautiefe von ca. 90mm und eine Gesamthöhe von ca. 109mm (perfekt zum „Einlassen“ in eine 19mm Schallwand)
      Ich habe zwar keine TSP gemessen, würde aber davon ausgehen, dass ein kleines geschlossenes Gehäuse auf jeden Fall für -3dB bei 100Hz ausreichend ist!
      Die optimierte Weiche werde ich demnächst veröffentlichen, ein bisschen Geduld ist noch nötig 😉
      Beste Grüße,
      HiFi-Alex

      • titoli

        Hi Alex,
        vielen Dank fpr die schnelle Antwort. Dann fasse ich mich einfach noch etwas in Geduld und warte auf die neue Weiche. Wie ist Deine persönliche Meinung zum Vergleich eine optimierte flache Q350 versus der Nubert WS14?
        Gruß
        Oliver

      • HiFi Alex Autor des Beitrags

        Da ich die Nubert WS14 noch nicht gehört oder gemessen habe, kann ich dazu leider nichts sagen. Ich würde die Qualität der KEF Koaxe aber höher einschätzen, insb. beim Rundstrahlverhalten.
        Beste Grüße,
        HiFi-Alex

  • Mr.Nixie

    Magst mal das Schaltbild der Originalweiche und Deiner gepimpten Version veröffentlichen.
    Vielleicht habe ich noch einen Vorschlag aus früheren Zeiten für Dich, kenne zwar nicht das KEF, aber das Seas Coax Chassis noch ganz gut aus alten KLEIN+HUMMEL Zeiten.

    • Mr.Nixie

      Man darf da aber KEF auch nicht wirklich böse sein aufgrund der minimalistischen Frequenzweiche und der Dämmung. Die aktuel 558 € Endverkaufspreis inkl. kostenlosem Versand sind wirklich eine Kampfansage. Da wird mit Centbeträgen gerechnet, dass KEF daran überhaupt noch was verdient.
      Aber Deine modifizierte Weiche sieht schon mal gar nicht schlecht aus. Fehlt nur noch der Frequenzgangschrieb bei verpoltem Hochtöner; sollte eigentlich einen schönen „Zacken“ nach unten ergeben.
      Deine Impedanzmessungen sind korrekt, weil die Box überall mit 8 Ohm angegeben wird?
      Nach Deinen Messungen ist das aber eine „saubere“ 4-Ohm-Box.

      • HiFi Alex Autor des Beitrags

        Die Impedanzmessungen stimmen sicher: bei Fertigboxen ist die Angabe, ob es sich um eine „8 Ohm Box“ handelt oder nicht meistens komplett zu ignorieren, weil die Hersteller da schreiben was ihnen (marketingtechnisch) passt…
        Die originale Weichenschaltung werde ich aus Copyright-Gründen nicht veröffentlichen, sie ist aber sehr einfach (3 Bauteile) gehalten, wohl aus o.g. Gründen.
        Den Frequenzgang mit verpoltem Hochtöner kann man sich denken, da die Phasenlage (Graph rechts oben) im Übergangsbereich ziemlich perfekt ist, Koaxialchassis sei dank 🙂
        Beste Grüße,
        HiFi-Alex

      • Mr.Nixie

        Für einen Koax-Lautsprecher (da beide Systeme 4 Ohm haben) wäre auch eine Weiche in „Reihenschaltung“ denkbar:
        Hochtöner und Tieftöner in Reihe geschaltet.
        Eingang „+“ = „+“ vom HT
        „-“ von HT an „+“ vom TT
        Eingang „-“ and „-“ vom TT
        Einen Kondensator parallel zum TT (sage einfach mal 2,2µ)
        Eine Spule parallel zum HT (sage einfach mal 1mH)

  • Wolf

    Hallo Alex,
    sehr Interesse Beitrag – bin gespannt auf die neue Weiche! Könntest du mal den Klirr der KEFs messen? K3 wäre besonders interessant.
    Grüße Walter

    • Wolf

      Hallo Alex,
      Konnte es vielleicht sein, dass die 1kHz Resonanz mit der Lambda/2 Resonanz der (Innen-)Gehausebreite zu tun hat? Würde gut passen:
      18cm => 36cm Wellenlänge => 944Hz
      Damit gäbe es eine Chance die Störung zu beseitigen.
      Grüße Walter

  • PH

    Hallo Alex,

    ich bin die Tage über Deine Webseite gestolpert. Ich bin gespannt auf das Ergebnis des Pimps.
    Wegen des Einbruchs bei 1kHz ist mir in Deinen Messungen aufgefallen, daß das BR-Rohr in genau dem Bereich wieder massiv abstrahlt.
    Es sieht fast so aus, als ob es da eine Eigenresonanz hat. Könnte es sein, daß es da zu einer Wechselwirkung kommt? Hast Du den LSP auch mit verstopftem BR-Rohr gemessen?

    Gruß

    Peter